Kampagne der FSFE-Lokalgruppe Zürich

Lernen wie die Profis

Symbolbild
Bild: «undraw_freelancer_b0my»,
Daniel Zaragoza, bearbeitet von Ralf Hersel; CC BY-SA 4.0

An Schulen wird noch immer vorwiegend mittels unfreier Software gelehrt. Diese bietet den Schülerinnen und Lehrpersonen keine Möglichkeit, deren Funktionsweise und Grundsätze zu studieren, sondern erlaubt nur einen Zugang aus Anwendersicht. Eine Kampagne der FSFE-Lokalgruppe Zürich möchte dies nun ändern.

Mit dem Tessin endeten Ende August auch im letzten Kanton die Sommerferien, womit nun in der ganzen Schweiz das neue Schuljahr eingeläutet ist. In diesem dürfte der Digitalisierung des Unterrichts nicht zuletzt aufgrund der Coronapandemie mehr Bedeutung denn je zukommen.

In Ermangelung eines koordinierten und gemeinwohlorientierten Vorgehens der Schweizer Bildungsinstitutionen nutzen grosse IT-Konzerne wie Microsoft und Apple die Gunst der Stunde, um ihre Produkte – meist allesamt geschlossene Plattformen – an unseren Nachwuchs zu bringen1.

Derlei proprietäre Systeme missachten jedoch fundamentale Anforderungen an eine nachhaltige, herstellerunabhängige Bildung im Digitalbereich und vermögen kaum, die Mündigkeit und Souveränität der Schülerinnen zu fördern. Statt wie im Schweizer Lehrplan 21 gefordert, den Aufbau und die Funktionsweise von informationsverarbeitenden Systemen kennenzulernen und Konzepte der sicheren Datenverarbeitung anzuwenden2, vermitteln die Angebote der IT-Riesen primär Produktewissen – was freilich genau dem betriebswirtschaftlichen Ziel eines möglichst tiefgreifenden vendor lock-ins dient.

Hinzu kommen massive Bedenken im Bereich des Datenschutzes. Das deutsche Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), welches bereits seit Längerem ein kritisches Auge auf Microsofts Avancen im Bildungsbereich wirft, kritisierte kürzlich in einem Kurzgutachten zur Verwendung von Office 365 unter Windows 10 an Schulen, die Software würde in erheblichem Umfang Daten an Microsoft übermitteln, wobei Datenströme verschlüsselt und damit nicht komplett nachvollziehbar seien. Es stehe ausser Zweifel, dass der Konzern personenbezogene Daten zum Nutzerverhalten transferiere, um diese “für Werbung zu monetarisieren oder um ein bestimmtes Nutzerverhalten zu gestalten”.3

Dem versucht die FSFE-Lokalgruppe Zürich nun im Rahmen der vor Kurzem lancierten Kampagne Lernen wie die Profis mittels Aufklärung und Sensibilisierung entgegenzuwirken. Ausgehend vom Grundprinzip der digitalen Souveränität werden alternative Ansätze zu den Produkten von Microsoft & Co. erklärt und konkrete Vorschläge geboten, wie Freie Software gewinnbringend an Schulen eingesetzt werden kann.

Denn wie die Initiatoren der Kampagne so schön schreiben: Erst die vier Freiheiten Freier Software4 ermöglichen Schülerinnen und Lehrpersonen die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten sowie einen selbstbestimmten Umgang mit informationstechnischen Systemen.

Organisation

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) ist ein gemeinnütziger Verein, der Menschen im selbstbestimmten Umgang mit Technik unterstützt. Der Verein setzt sich für alle Belange von Freier Software mit Schwerpunkt Europa ein. Dies geschieht unter anderem durch politische Arbeit, juristische Unterstützung und ein Netzwerk von ehrenamtlichen Unterstützern.


Fussnoten

  1. So richtet sich bspw. Microsoft mittlerweile auch gezielt an Lehrkräfte und bewirbt Angebote wie Office 365 Education, Microsoft Teams Education, Minecraft: Education Edition, Paint 3D und Skype explizit für den COVID-19-bedingten Fernunterricht.

    Der Apfelkonzern vermarktet mit dem Apple Teacher Learning Center gleich eine ganze Weiterbildungsplattform für Lehrkräfte – hermetisch abgekapselt von der restlichen Digitalwelt und ausschliesslich auf den Umgang mit Apple-Produkten ausgelegt. Begleitend dazu werden die eigenen iPad-Tablets als der “perfekte Computer zum Lernen” beworben. Apples Marketingabteilung wähnt dabei gar das Lernen an und für sich bereits als überwunden: Das eigene Angebot sei “so intuitiv, dass Schüler nichts lernen müssen.”↩︎

  2. Schlussbericht der Arbeitsgruppe zu Medien und Informatik im Lehrplan 21, Anhang: Modullehrplan Medien und Informatik, S. 16.↩︎
  3. In Krempl, Stefan: “Schule digital: (K)ein Platz für Microsoft”, heise online vom 21.08.2020.↩︎
  4. Diese umfassen das Verwenden, Verstehen, Verteilen sowie Verbessern von Software.↩︎