Die Digitalisierung prägt immer stärker unseren Alltag – mit Chancen, aber auch Risiken für unsere Privatsphäre. Umso wichtiger ist ein wirksamer Datenschutz. Am Freitag, 28. November 2025, fand das Datenschutz-Festival im Kulturhaus Helferei in Zürich mit 140 Teilnehmer:innen zum vierten Mal statt. Einer der Höhepunkte am ausverkauften und erfolgreichen Datenschutz-Festival war das Gespräch mit dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, Dr. Adrian Lobsiger.
Hintergrund
Seit der ersten Ausgabe des Datenschutz-Festivals im Jahr 2022 setzen wir uns mit den Grundlagen und Schutzzielen eines verantwortungsvollen Datenschutzes auseinander. Denn wir sind überzeugt: Datenschutz und Datennutzung gehören zusammen. Vertrauen in digitale Demokratie, E-Government und neue Geschäftsmodelle entstehen nur, wenn mit Personendaten sorgfältig umgegangen wird.
Zu den Besucher:innen und Vortragenden des Datenschutz-Festivals zählen neben der interessierten Öffentlichkeit auch Parlamentarier:innen, Journalist:innen, Anwält:innen und Wissenschaftler:innen. Während die meisten Fachkonferenzen jedoch weitgehend geschlossen oder mindestens kostenpflichtig sind, setzen wir mit der Veranstaltung einen eigenen Akzent: Das Festival und das Thema «Datenschutz» sollen niederschwellig zugänglich sein. Entsprechend ist das Datenschutz-Festival eine nicht-kommerzielle Veranstaltung der Digitalen Gesellschaft, die hauptsächlich von ehrenamtlichen Mitgliedern getragen wird.
Unter diesem Licht stand auch das Datenschutz-Festival 2025, das am Freitag, 28. November 2025, im Kulturhaus Helferei in Zürich stattfand.
Programm
Den Auftakt zum Datenschutz-Festival machten Viktor Györffy und Erik Schönenberger mit einem «Datenschutz-Update der Digitalen Gesellschaft». Ausgehend vom äusserst knappen Abstimmungsresultat zur E-ID, das ein ausgeprägtes Vertrauensproblem in die Digitalisierung offenbarte, schlugen sie einen unterhaltsamen Bogen über verschiedene Digitalisierungsvorhaben wie das elektronische Gesundheitsdossier und das Datenschutz-Konzept 2.0, das 2025 von der Digitalen Gesellschaft veröffentlicht worden war.
Im Anschluss sprachen Jutta Oberlin (Expertin für Kindesschutz und Juristin bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt) und Sarah von Hoyningen-Huene (Forscherin für Kindesschutz und ehemalige Staatsanwältin im Kanton Thurgau) über «Kinderrechte 2.0: Datenschutz im Fokus». Beide kennen die – zum Teil erschreckende – Realität aus vielseitigen Tätigkeiten bei Gerichten und Staatsanwaltschaften, dem Tech-Umfeld sowie der Forschung und Lehre. Sie zeigten auf, was Kinderrechte im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI), Sharenting und Social Media bedeuten, was für Gefahren Kindern im digitalen Raum drohen, und was der Datenschutz für den Kinderschutz leisten kann.
Im Folgenden stellte Peter Szabó (Jurist und Datenschutzberater bei Threema) das «Spannungsfeld zwischen verschlüsselter Kommunikation und staatlichen Überwachungsansprüchen» vor, in dem sich Tech-Unternehmen in der Schweiz befinden. Gerade kleine und mittlere ICT-Unternehmen, die mit einem starken Datenschutz-Profil werben, stehen bereits heute unter erheblichem Druck: Sie sehen sich mit Behördenanfragen konfrontiert und müssen komplexe regulatorische Vorgaben aus verschiedenen Ländern berücksichtigen, aber gleichzeitig die Erwartungen ihrer Kundschaft an echte Vertraulichkeit erfüllen. Peter Szabó zeigte, wie Unternehmen in der Praxis auf diese Herausforderungen reagieren und dabei einen wichtigen Beitrag zur digitalen Souveränität der Schweiz leisten können.
Nach der Pause folgte eine Diskussion mit Dr. Adrian Lobsiger (Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, EDÖB) und Martin Steiger sowie Nicole Pauli von der Digitalen Gesellschaft. Im Gespräch über die fortschreitende Digitalisierung und die daraus resultierenden tiefgreifenden Veränderungen auf unseren Alltag offenbarte der EDÖB auch viel Persönliches. Transparenz, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen sind entsprechend zentrale Werte, die helfen, den Umgang mit Daten kritisch zu reflektieren und den Datenschutz praxisnah weiterzuentwickeln.
Daraufhin standen zwei parallele Workshops auf dem Programm: Dr. Matthias Glatthaar (Head Privacy & Digital Compliance beim Migros-Genossenschafts-Bund) und Sven Kohlmeier (Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der Digitalen Gesellschaft) führten durch das komplexe Thema «Auskunftsbegehren in der Praxis». Das Recht auf Auskunft ist ein zentrales Instrument des Datenschutzes. Betroffene Personen haben Anspruch darauf zu erfahren, welche Daten über sie gesammelt werden, und wie diese verwendet werden. Doch wie können Betroffene ihr Auskunftsrecht durchsetzen? Für Verantwortliche stellt die Bearbeitung solcher Anfragen wiederum eine wichtige, aber oft auch herausfordernde Aufgabe dar. In den beiden Workshops wurden beide Seite beleuchtet und die wichtigsten Erkenntnisse für alle zusammengefasst.
Am Abend bot sich den 140 Teilnehmer:innen schliesslich die Gelegenheit, sich an einem Apéro riche in entspannter Atmosphäre zum persönlichen Austausch, zum Vertiefen der Diskussionen und zum Knüpfen neuer Kontakte rund um das Thema Datenschutz zu treffen.
Fazit
Das vierte Datenschutz-Festival kann als ein grosser Erfolg gewertet werden. Die Veranstaltung war ausgebucht, das Programm vielseitig und interessant, der Austausch anregend. Der Veranstaltungsort und insbesondere die Kapelle trugen zu einer einzigartigen Atmosphäre bei. Die Rückmeldungen der Teilnehmer:innen sind durchaus positiv. In der Rückschau sind wir sowohl qualitativ als auch quantitativ sehr zufrieden. Dementsprechend ist ein weiteres Datenschutz-Festival in ähnlichem Rahmen für 2026 wieder in der Planung.



