Position zu Alters- und Identitätsverifikation auf Social-Media-Plattformen

Macht Plattformen besser, statt exklusiv!

Die Digitale Gesellschaft erachtet Social-Media-Verbote für Jugendliche als nicht zweckmässig. Im Februar 2026 haben wir uns deshalb gegen ein Social-Media-Verbot unter 16 Jahren ausgesprochen. Das vorliegende Positionspapier vertieft die gesellschaftlichen und technischen Risiken der Altersverifikation, zeigt aber gleichzeitig Alternativen für Jugendschutz und bessere Plattformen für alle auf. Und es beleuchtet, was die kommende E-ID in dieser Fragestellung leisten kann und was nicht.

Social Media sind für Jugendliche heute Lebenswelt, Lernort, Ausdrucksraum – und trotz hunderter Studien gibt es keine eindeutige Evidenz für einen kausalen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und psychischen Problemen. Ein Verbot ist deshalb eine Scheinlösung mit schwerwiegenden Kollateralschäden.

Datensammlung, Überwachung, Missbrauchsrisiken

Altersverifikation führt zu einer noch grösseren Datensammlung durch die Plattformen und damit unweigerlich zu mehr Überwachung und einem höheren Missbrauchsrisiko. Das (von allen) notwendige «Vorzeigen» eines Ausweises für die Teilnahme an Debatten der digitalen Öffentlichkeit entspricht nicht der Kultur des freien und demokratischen Internets. Insbesondere für vulnerable Gruppen, Minderheiten oder Whistleblower:innen und Oppositionelle sind diese Entwicklungen gravierend.

Da der digitale Austausch für Jugendliche ein zentrales Grundbedürfnis darstellt, bewirken Altersschranken oft das Gegenteil des intendierten Schutzes: Sie werden entweder technisch umgangen oder drängen Jugendliche systematisch in unregulierte, unsichere Online-Räume. Nicht zuletzt führt das Ausschliessen der Jugendlichen von grossen Social-Media-Plattformen dazu, dass Big-Tech-Konzerne weniger in der Verantwortung sind, die Probleme zu lösen, welche die ganze Gesellschaft betreffen (Hassrede, manipulative Algorithmen oder ausländische Beeinflussung der Demokratie).

Bessere Austausch- und Debattenräume für alle

Eine griffige Plattformregulierung führt dazu, dass digitale Austausch- und Debattenräume zu sichereren, vielfältigeren und informativeren Orten werden – für alle Nutzer:innen, unabhängig von ihrem Alter. Insbesondere im Bereich Empfehlungssysteme (Feed-Gestaltung) sowie manipulative (Dark Patterns) und süchtig machende Designs gibt es zahlreiche Hebel, welche Politik, Justiz und Gesellschaft von Plattformen einfordern sollten, um negative Auswirkungen zu minimieren: Vom Ausschalten von Push-Benachrichtigungen in der Nacht über entschleunigtes Scrollen bis hin zum Verzicht auf FOMO-Elemente.

Die kommende E-ID ist ein datensparsames und sicheres Instrument zur Altersverifikation, das die Digitale Gesellschaft mitausgearbeitet hat und das sie als Lösung für beispielsweise Online-Alkoholkäufe unterstützt. Für Social-Media-Altersverifikationen ist die E-ID aber noch nicht genügend tragfähig, da relevante Bevölkerungsgruppen (noch) nicht über die E-ID verfügen können oder wollen – und da Plattformen noch nicht gezwungen sind, die E-ID als Verifikationsinstrument zu akzeptieren.